Zäumungen

Auch in der Westernreiterei kann die Vielzahl von Gebissen anfangs zu einiger Verwirrung führen. Aber im Grunde gibt es nur 3 – 4 unterschiedliche Zäumungsarten, alle anderen sind Abwandlungen. Man unterscheidet etwa:

  1. Wassertrense (Snaffle Bit): Gebiss ohne Hebelwirkung
  2. Kandare (Bit): Gebiss mit Hebelwirkung
  3. Hackamore, Bosal: ohne Gebiss
  4. Trainingsgebiss: Kombination zwischen Wassertrense und Kandare

Wassertrense (Snaffle Bit)

Wie auch bei der klassischen Reitweise beginnt die Ausbildung (von Pferd und Reiter) mit der Trense, also ein gebrochenes Mundstück,  und beidhändiger Zügelführung. Meist wird beim Westernreiten ein etwas dünneres Gebiß verwendet, dies wirkt durch die geringere Auflagefläche zwar schärfer, ist aber nicht problematisch, da beim Westernreiten keine dauernde Anlehnung, also ständige Verbindung zwischen Pferdemaul und Reiterhand besteht. Im Idealfall besteht nur kurzer impulsiver Kontakt, sobald das Pferd wie gewünscht reagiert, wird es durch einen losen Zügel belohnt.
Viele Pferde mögen auch die dünnere Trense, da sie – in einem eher kleinen Maul – weniger störend empfunden wird. Oft besteht auch ein Materialunterschied: Eisen, und damit etwas Rost oder auch Kupferanteile regen das Pferd zum Kauen an.
Schon beim Reiten mit der Wassertrense sollte das Pferd auch an den „Druckzügel“ – also den Aussenzügel gewöhnt werden, und diesen zusätzlich zum inneren, stellenden Zügel als Richtungsweiser akzeptieren.

Hackamore, Bosal

Hierbei handelt es sich um eine gebisslose Zäumung. Sie wird eher in der kalifornischen Reitweise verwendet. Das beim Westernreiten gebräuchliche Bosal besteht aus einem aus Rawhide (Rohhaut) geflochtenem Nasenteil. Dieser ist mit einem einfachen Kopfteil aus Leder und der sogenannten Mescate, einer Zügelschlaufe aus Pferdehaar verbunden. Auch beim Bosal ist die Zügelführung beidhändig. Auch hier besteht keine konstante Verbindung zum Pferdekopf. Das Pferd sollte auf kurze Pulls (Ziehen) am Nasenrücken oder seitlich reagieren. Das funktioniert natürlich nur, wenn das Pferd schon grundsätzlich den Gehorsam an der Trense gelernt hat. Das Bosal gibt es in unterschiedlichen Stärken, wobei die Stärke je nach Kopfgröße, aber vor allem auch Ausbildungsstand des Pferdes geringer wird.

Trainingsgebisse

Vor allem in der texanischen Reitweise werden in der Ausbildung oft Gebisse verwendet, die einem Pelham ähnlich sind. D. h. sie werden mit einem Doppelzügel verwendet und es besteht die Möglichkeit sie sowohl mit einem Trensenzügel zu verwenden, als auch mit einem Kandarenzügel. Der Trensenzügel wirkt dabei direkt auf das Pferdemaul und wird zur Korrektur verwendet. Ziel ist aber, dass das Pferd auf den Kandarenzügel, d. h. den Aussenzügel, der auf Hals und Mähnenkamm gelegt wird, reagiert.

Die Mundstücke können gerade, gebrochen, gebogen sein, auch die Hebellänge kann unterschiedlich sein. Ein Vorteil ist auch, dass viele dieser Gebisse später als reine Kandaren verwendet werden können, indem man den Trensenzügel ausschnallt.

Kandaren (Bits)

Die Kandare ist die Standardzäumung des fertig ausgebildeten Westernpferdes. Die Wirkung spürt das Pferd durch die „Shanks“ (Hebel) und die Kinnkette auf Laden, Gaumen, Zunge, Kinngrube und auch im Genick. Vor allem die kalifornische Methode verwendet eine schwere Kandare. Diese wirkt schon allein durch das Gewicht, weil sie so ausgewogen ist, dass das Pferd dazu animiert wird, den Kopf  im Genick abzuwinkeln und das Kinn zur Brust zur führen. Die Hebelwirkung ergibt sich daraus, dass ein geringes Annehmen der Zügel schon zu einer strafferen Kinnkette führt, ohne dass hier das Mundstück sich bewegt. Das funktioniert aber nur, wenn der Reiter seine Hände absolut unter Kontrolle hat. Eine Kandare gehört also nicht in Anfängerhände!

Die Zügelführung ist hier einhändig (links), was sich aus der Rinder- und Lassoarbeit ergeben hat. Für den Freizeireiter ist es allerdings egal ob er rechts- oder linkshändig reiten möchte. Die texanischen Kandaren sind leichter und milder als die kaliforinischen Spade Bits. Sie haben meist einen starren nach hinten gebogenen Hebel, der es Pferden auch leichter macht damit zu grasen, ohne sich zu verletzen.