Natural Horsemanship & Pferdetraining


Was heißt Horsemanship? Kurz gesagt, geht es um die besondere Verbindung zwischen

  1. Pferd („horse“) und
  2. Mensch („man“)
  3. in Form einer Partnerschaft („ship“)!

Einerseits handelt es sich dabei um eine eigene Westerndisziplin, nämlich Western Horsemanship, die viel Wert auf Harmonie zwischen Pferd und Reiter bei gleichzeitiger Lösung komplexer Aufgaben legt.

Natural Horsemanship hingegen kann – oder besser noch – sollte unabhängig von der Reitweise eingesetzt werden! Es ist ein Training für Mensch und Pferd, das auf der Partnerschaft und der Beziehung zueinander aufbaut. Natural Horsemanship bedeutet das Pferd

  • in seinem Körperbau und seinem Wesen zu verstehen,
  • auf seine Eigenheiten einzugehen
  • und sich seine Fähigkeiten auf fairer Basis zu Nutze zu machen

Wer das tut, wird mehr als „nur“ ein Tier haben, und der Umgang mit dem Pferd wird über den „bloßen“ Reitsport hinausgehen.

Die Pferdeflüsterer und ihre Trainingsmethoden

Wer sich für Natural Horsemanship interessiert wird ihr in vielen Varianten und Facetten begegnen: von der Bodenarbeit bis zur Zirkuslektion, von TTouch bis Monty Roberts und Pat Parelli. Gemeinsam ist allen Trainingsmethoden der Wunsch harmonisch mit dem Pferd als Partner zu arbeiten. Anfangs wird dabei vor allem der Mensch gefordert und muss zunächst lernen:

Es ist wohl Robert Redford und dem Film „Der Pferdeflüsterer“ zu verdanken, dass Natural Horsemanship meist mit Westernreiten in Verbindung gebracht wird. Aber sie ist für jeden und jedes Pferd geeignet! Und auch wenn der Pferdeflüsterer in Hollywoodmanier vielleicht ein bisschen viel Drama, Kitsch und Pathos vermittelt, ein zentrales Thema bleibt: Es geht vor allem um Kommunikation. Es gilt die Sprache des anderen zu erkennen und zu verstehen.

„Man kann nicht, nicht kommunizieren“ (Paul Watzlavik)

Meist sind wir Menschen anfangs im Nachteil, da Pferde wahre Meister der Körpersprache sind und unsere unbewussten Reaktionen und Bewegungen im Sekundenbruchteil interpretieren können. Wollen wir als Reiter ein effizientes Training und einen unbeschwerten Umgang mit unserem Pferd, müssen wir

  • Die Körpersprache des Pferdes verstehen (also Anzeichen für Aufregung, Angst, Drohung od. Verteidigung erkennen)
  • Das Wesen des Pferdes (z.B. seine Reaktionen als Fluchttier) verstehen,
  • seine Bewegungsmuster (also Beweglichkeit und Bewegungsradius) kennen und verstehen

Was bringt Horsemanship und Bodenarbeit?

Das Pferd kann sich ohne Gewicht des Reiters besser ausbalancieren und seine Bewegungen ohne (störenden Einfluß oder Gewicht) ausführen und optimieren.

Der Mensch kann das, was er am Pferderücken nur fühlen kann, vom Boden aus tatsächlich sehen. Er kann so Zusammenhänge und Bewegungsmuster besser verstehen und einordnen. Es wird ihm klarer, welche Bewegung oder Richtungsänderung wieviel Impuls erfordert.

Der direkte Kontakt vom Boden aus ermöglicht eine Begegnung auf „gleicher Augenhöhe“:  Pferd, als auch Mensch sind in ihrem natürlichen Element. Das Pferd kann sich frei ohne Ausrüstung und Gewicht bewegen, der Mensch hat den gewohnten Boden unter sich und ist somit auch ausbalanciert. Die optimale Voraussetzung um zwei Dinge zu erlernen: Vertrauen & Respekt

Für Pferd und Mensch ist es wichtig diesen schmalen Korridor zu sehen. Beide Seite müssen lernen die Grenzen des anderen zu erkennen und den jeweiligen Raum zu respektieren. Nur wer die Grenzen kennt, kann sie mit dem nötigen Vertrauen dann und wann auch überschreiten. Nur wer Respekt mitbringt, wird den Raum des anderen betreten dürfen.

Natural Horsemanship beginnt bei der Bodenarbeit:

  1. aus den oben genannten Gründen
  2. weil ein großer Teil des Umgangs mit dem Pferd (Stallarbeit, Versorgung, Transport, Tierarzt) nunmal auf dieser Ebene stattfindet.

Aber dies ist nur ein Teil davon. Vielmehr handelt es sich um ein Grundprinzip im Umgang, bedenken muss man das aber im Sattel genauso, nur dann haben die Trainingsmethoden auch dauerhaften Erfolg! Es beginnt am Boden und findet seine laufende Fortsetzung im Sattel! Im Idealfall endet es mit einer dauerhaften Partnerschaft, die nichts und niemand aus dem Gleichgewicht bringt! 🙂